De Sparkassenstiften van Neddersassen löövt de „Lüttjepütt-Pries“ ut Projekten för Kinner un junge Lü of van Kinner un junge Lü sallen utteekent worden

Willem Busch hett maal över sük sülvst seggt: „Ik bün stolt, dat ik twee Spraken spreken kann: Plattdüüts un Hoogdüüts!“ De plattdüütse Spraak is ja keen Dialekt, se steiht up egen Been un is bit vandaag en lebennig Deel van Spraakkultur in Neddersassen.

Wat dat ok so blieven deit – dor sett sik de Sparkassenstiften vun Neddersassen jüst so as de Sparkassen in’t Land al Jahren lang för in. Se organiseert to’n Bispeel den Wettbewerb „Schölers leest Platt“, de dor op tostüern deit, wat de Kinner al in de School wat mit Platt opstellt. Ok de Lüttjepütt-Pries, de nu utlöövt ward, is een Teken, wo wichdig de Stiften dit Thema nehmen deit.

De Sparkassenstiften vun Neddersassen gifft ok anner Priesen ut, wo sik enkelte Lüüd dör ehr Schrieben un Doon as Meister utwiest hebbt. To’n Bispeel gifft dat den Hans-Henning-Holm-Pries för dat nedderdüütsche Hörspeel un den Quickborn-Pries för plattdüütsche Literatur un Forschen in de Volkskunn.

 De Lüttejepütt-Pries, den sien Nomen vun Johann D. Bellmann sien Book nohmen is, schall alle veer Johren utlöövt warrn un 3.000.- Euro weert wesen. Allens, wat op Platt för Kinner un junge Lüüd produzeert un vörwiest warrn kann, man ok, wat vun Kinner un junge Lüüd stammt, kann den Pries tosproken kriegen. So köönt de Lütten un de Groten Priesdräger warrn. Een kann sik as enkelte Minsch, as Grupp un ok as Vereen bewarben.

Een Priesgericht, wo een ut den Vörstand vun de Bevensen-Dagfahrt, een vun dat Institut för Nedderdüütsche Spraak, een vun’n NDR un een vun de Sparkassenstiften un noch fiev anner Lüüd mit Verstand un Weten üm Plattdüütsch mit tohören schöllt, ward den Priesdräger utkieken.

To allereerst sall de Pries bi de Bevensen-Dagfahrt in’n September 2007 utgeven wordenn. Bewarven kann een sük bit to’n 31. März 2007 bi de „Niedersächsische Sparkassenstiftung“, Schiffgraben 6-8, 30159 Hannover. Un een kann bi den Pries nich vör Gericht trecken!

(Dirk Römmer)

Written on September 24th, 2006 , Bevensen Dagfahrt

Wi snackt platt – so sall dat nu ok bi NDR Online heten.

Ganz un gaar platt sall ´t bi www.ndr.de/platt togahn. Dor kann sük van nu of an de hele plattdüütse Welt – van Niebüll bit New York, van Helgoland bit Honolulu – binannerfinnen. Allens, wat de NDR op platt paraat hett, is hier to lesen, to hören un antokieken: Van de Radioklassiker „Hör mal´n beten to“ bit to de Sendungen van de Fernsehlü „Op platt“ (wat fröher maal „Talk op platt“ weer) un „Neeis ut Büttenwarder“ mit Jan Fedder und Klaus-Peter Brix is allens op een Blick dorbi, wat Rang un Namen hett. Wat sünnerlich intressant is: Liekerveel of Hambörg of Namibia – Plattsnackers överall üm unsen Globus köönt sük registreern laten unner www.ndr.de/platt, wat över sük sülben vertellen of en Foto van sük in´t Nett setten. Se köönt denn op de neje Platt-Weltkaart inteken, wor se tohuus sünd un so denn anner Plattsnackers as Frünnen finnen un sük mit hör feine „Mehls“ schrieven.

 För de „Jusers“ (Brukers) gifft dat daarto noch ´n Barg anner Hülp un Anbott. Se köönt geern för dat plattdüütse Spraakbook ´n neei Woord tostüren, wat in hör Kuntrei bruukt word. Van „Ackersnacker“ bit „Witscherquast“ – van „Aalbeer“ bit „Zuckeldraff“ – enerlei. Allens is för dit Spraakbook to bruken. Un well weten will, wat dat in de Weltgeschicht Neeis geven deit, de finnt hier ok – elke Dag aktualiseert – de Narichten up platt! Ok de Historie van de nederdüütse Spraak is hier natolesen: Up hoog un op platt. Un denn kann sük elke Plattsnacker ok noch de Sendung, de he/se besünners geern lieden mag, as plattdüütsch „Podcast“ daalropen un denn hören, wenn hum/hör dat am besten in de Kraam passt.

Kiek! Wenn dat nix is! Seggen wi doch al lang: De NDR – dat Beste van d’ Nörden!

Dit is ’n Naricht van d’ NDR, blot in ’t oostfreeske Platt umsett.

Written on September 22nd, 2006 , Diesel Info

In d’ Harvst gifft dat ‘n Riege Literaturpriesen. Hoog ansehn is de Freudenthalpries, de ‘t van ‘t Jahr to ‘n 50. Maal gifft. He gung an JAN GLAS ut Groningen + an Heidemarie Rützel ut Eckernförde. Wi graleren de beid.
Gerd Constapel hett daarto schreven:  

Leve Frünnen,
ik bün nett gewahr worden, dat uns Kolleeg Jan Glas ut Groningen van’t Jahr de Freudenthal-Pries wunnen hett. Well hum kennt un graleern will, kann hum en eMail schrieven unner de Adress "glas (at) wanadoo.nl". He is nett so blied as en Klüütje un hett mi dat futt up Stee weten laten, umdat ik hum bi’t Vertalen in’t Hoogdütse hulpen hebb, vördat he sien Texten instüürde. (De hoogdüütse Texten will de Freudenthal-Gesellskupp d’r alltied geern bi hebben.) De Pries is deelt worden an Jan un Heidemarie Rützel ut Eckernförde.
Ok ik bün d’r leep blied over, dat disse Pries, de wi allmitnanner hoog in’t Reken hebben, weer in "uns Kuntrei" gahn ist. (Ji weten ja: Ik tell Groningen alltied d’r geern mit to). 2003 dürs ik de Pries kriegen, 2004 kreeg Silke Mansholt ut Brinkum hum (Jan Glas was an d’ tweede Stee), 2005 gung he an Diedrich H. Schmidt ut Leer (Nina Werkman ut Groningen was an de tweede Stee), un van’t Jahr nu an Jan Glas. Dat is al wat, wenn wi daaran denken, dat de Plattdütsen tüsken de Lauwers un de poolse Grenz, tüsken Dänemark, Westfalen un Süd-Nedersassen Texten instüürt hebben.

De Freudenthal-Pries kriggt allmanweg mehr Belang för uns Kuntrei, umdat de Wilhelmine-Siefkes-Pries nu geen Pries mehr is alleen för de plattdütse/nedersaksische Schriefkünsten. Dat is leep spietelk. Man spietelk is’t ok, dat de Nederlanders in’t nedersaksisch Taalgebiet geen Over-de-Grenz-Schriefweddstrieden för uns anbeden. In anner Woorden: In’t Geheel is Freudenthal nu up de bovenste Trapp för uns Schrievers an beide Kanten van de Grenz.

Written on September 18th, 2006 , Priesen

Dat was ‘n good Week-Enne! De daar west hebben, sünd tofree na Huus torügg.
To dat Thema "Wo hollst du ‘t mit de Religion?" gaff dat ‘n Theater-Upföhren van de Bühn in Rellingen, un anner Dag hett Peter Schütt over Platt un de Islam proot, Pastor Hein Kröger over christelke Schrievers, Siegfried Kessemeier over Jöden, de up PLatt schreven hebben. Un Christina Sufka hett hör Lyrik vörstellt.
Bi dat moi Weer kunn een good in buten sitten bi dat Vörlesen van neje Texten "Up de Kist", daarto hett de Gruppe "Swing up Platt" mit Rika Tjakea Musik maakt.
Musik hebben wi an de eerste Dag al van OTTO GROOTE hatt, un an de darde Dag denn dat Konzert van de Priesdragers Traute Römisch un Andy Mokrus.
Denn noch Kabarett van de QUESENKÖPPE, Bookkritik van dat Klaverbladd, en plattdüüts Gottsdennst – un de Vörstand wurr weerwählt. Blot Fokko Veldman neet, de geiht aver ok na Australien. Van Dr. Veldman hier ‘n Bericht over de Dagfahrt:     Bevensen-Dagfahrt
Bevensen 2006 – Greten fragt: "Woans höllst du dat mit de Religion?"
Von Fokko Veldman, Meppel (Niederlande)

Als Thema der diesjährigen Bevensen-Tagung wählte man die Frage, die Gretchen dem Faust stellt: “Wie hältst du’s mit der Religion?”, aber das auf Plattdeutsch. Es geht uns um das Verhältnis von Regionalsprache und Religion, von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet.

Zu jedem der jährlichen Bevensen-Treffen gehört ein plattdeutscher Gottesdienst. Dieses Jahr wird schwerpunktmäßig untersucht, wo überall Niederdeutsch und Kirche sich berühren, sich begegnen, vor allem auf dem Gebiet der Mundartliteratur.

Das Verhältnis von Niederdeutsch und Religion ist vor allem in der Anfangsperiode der neuniederdeutschen Literatur (im 19. Jahrhundert) sehr deutlich zu sehen. Ein schönes Beispiel dafür ist eine Sammlung von mundartlichen Texten, die 1874 erschienen ist: Das “Algemeen Nederduitsch en Friesch Dialecticon”, zusammengestellt von Johan Winkler. In diesem Werk wird als Grundlage des Textvergleiches das “Gleichnis vom verlorenen Sohn” verwandt. Die fast 200 Übersetzungen kommen aus dem gesamten Niederdeutsch-niederländisch-flämischen Gebiet, von Königsberg (heute Kaliningrad, zu Russland gehörend) bis Dünkirchen in Frankreich. Sicherlich ist zu bedenken, dass die Mehrzahl der Einsender Pastoren waren, aber uns begegnen unter den Übersetzern des Gleichnisses auch bekannte Namen wie Fritz Reuter, Klaus Groth, August Lübben und Friedrich Wilhelm Grimme.

Unter den Dialektschreibern des 19. Jahrhunderts in Groningen (in diesem Gebiet kenne ich mich am besten aus) finden wir, vor allem in der der ersten Hälfte des 19. Jhdts., viele Geistliche, die schreiben aber nicht über theologische Themen. Ihre Geschichten hatten natürlich oft einen moralischen Einschlag, aber das lag mehr am Zeitgeist als an ihrem Beruf; denn denselben moralischen Zeigefinger finden wir auch bei den Autoren, die Schulmeister, Rechtsanwalt und dergleichen waren. Bemerkenswert ist vielmehr, dass die Menschen, die Geschichten im Dialekt aufschreiben, aus eher höhergestellten Schichten der Bevölkerung kommen, und die Mundart in ihrem täglichen Leben wahrscheinlich weniger benutzten, sondern die Standardsprache. Das Schreiben in der Mundart war eine elitäre Beschäftigung, unter anderem durch die Sorge getragen, dass der Dialekt mit fortschreitender Entwicklung der Gesellschaft auch auf dem platten Land langsam verschwinden würde, also musste man diese Sprache erhalten. Das Schreiben in der Mundart war eine Art Denkmalspflege, mit dem Ziel, ein aussterbendes Kulturgut zu bewahren. Zugleich wurde der Dialekt als “bäurisch” betrachtet, und die (oft gereimten) Texte hatten häufig einen derb-komischen Charakter.

1834 gab es in Groningen eine Kirchenspaltung, es trennten sich die “Gereformeerde” Gemeinden von der “Nederlands Hervormde” Staatskirche. Diese Trennung war in starkem Maße eine Volksbewegung, gestützt auf persönliche Glaubenserfahrung und gefördert durch orthodoxe Kreise, als Reaktion auf die “viel zu liberalen Auffassungen” vieler Prediger.
Diese Trennung wurde begleitet von einer großen Zahl Pamphlete und Flugschriften
Ein Teil dieser Schriften erschien auf Groningisch. Es ist schwierig, festzustellen, warum die Schreiber sich der groninger Mundart bedienten, da die meisten Streitschriften auch nur anonym erschienen. Aber es scheint so, dass die Volkssprache gewählt wurde, um die starken Gefühle, die die Schreiber zu ihrem Thema hatten, besser formulieren zu können – in einer für den Leser zwar ungewöhnlichen, aber doch begreifbaren Form. Aber vielleicht
lässt sich im Dialekt auch einfach besser schimpfen.

Der Einfluss der Pastoren auf die Dialektliteratur wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts stets geringer, ihre Rolle wurde übernommen von den Lehrern, eine Tendenz, die sich auch im 20. Jahrhundert fortsetzte. Unter den 205 Autoren, die Quistorf und Sass aufgenommen haben in ihr “Niederdeutsches Autorenbuch” (1959), waren dann nur fünf Pastoren, während 93 Schreibende aus dem Unterrichtswesen kamen. (Das Verhältnis Pastor / Lehrer könnte tatsächlich ein wenig anders sein, da Quistorf / Sass auch Wissenschaftler in diese Liste aufgenommen haben, aber die Veränderung ist deutlich genug sichtbar.)

Auf den Bevensen-Tagungen blicken wir nicht nur zurück, sondern nehmen auch die gegenwärtigen Verhältnisse wahr und sehen, so gut es geht, in die Zukunft. Das Verhältnis von Religion und Niederdeutsch ist nicht einfacher geworden. “Religion” heißt nicht mehr selbstverständlich “evangelisch” oder “katholisch”, in unserer modernen Gesellschaft ist auch der Islam ein wichtiger Faktor geworden. Wie sich dieser Tatbestand in der niederdeutschen
widerspiegelt, darüber hält Dr. Peter Schütt seinen Vortrag.

Die andere Weltreligion, die unsere Aufmerksamkeit verdient, ist das Judentum. Wie die Situation im niederdeutschen Sprachgebiet war, weiß ich nicht. Zu diesem Thema wird mir Dr. Siegfried Kessemeier in seinem Referat einiges erzählen. Aber darüber, wie es auf der niederländischen Seite der Grenze aussah, kann ich etwas berichten, also werde ich mich auf dieses Gebiet beschränken.

Die jüdischen Autoren, die vor dem Zweiten Weltkrieg in groningischer Regionalsprache schrieben, unterscheiden sich nicht von den nichtjüdischen Schreibern. Es ist anhand der Gedichte, Erzählungen oder Theaterstücken nicht abzuklären, ob der Autor nun Jude war oder nicht.

Die jüdischen Nachkriegsautoren dagegen, die den Holokaust selbst überlebten, oder deren Nachkommen setzen sich in ihrem gesamtes Werk mit Massenmordes an den Juden und den Schwierigkeiten mit ihrer jüdischen Identität in der Nachkriegsgesellschaft auseinander.
Der Groninger Autor Saul van Messel (Pseudonym von Dr. Jacob Meijer) ist dafür vielleicht das beste Beispiel. Er schrieb in Groninger Streektaal, Niederländisch und Hebräisch sehr zynische, meist kurze Gedichte über das Fremdsein im eigenen Lande und über den Mord an den Juden. Ein Vers aus einem seiner Gedichte über einen Gedenkstein für jüdische Opfer lautet:
Golgotha met rente: komt dat zien in Drenthe!
(Golgotha mit Zinsen: kommt seht euch das an hier in Drenthe!)

In seinen Gedichten kommen auch regelmäßig Begriffe und Bilder aus der jüdischen Religion vor, besonders häufig kaddish (Gebet für die Toten) und keiwerowes (Friedhof), aber auch minjen (Mindestzahl Männer für einen Gottesdienst) und allerlei
Gebräuche bei Sabbat, Pessach und Begräbnissen. Aus Deutschland kenne ich keinen vergleichbaren Autor. Das Los der Juden ist natürlich durchaus Thema bei einigen nichtjüdischen plattdeutschen Schriftstellern. Alois Terbille ist ein Name, der in diesem Zusammenhang sofort auftaucht.

Über schreibende Pastoren in der Vergangenheit habe ich mich schon geäußert, aber es gibt im Augenblick wieder mehr als früher. Das hat nicht nur damit zu tun, dass der Dialekt “salonfähig” geworden ist und nun auch regelmäßig im Gottesdienst gebraucht wird, sondern auch damit, dass die Pastoren heutzutage mehr “mitten im richtigen Leben stehen” als früher.

Seit den 70-er Jahren sind plattdeutsche Gottesdienste populär geworden. Vorher wurde auch wohl im Dialekt gepredigt, aber nicht in diesem Maße. Ich erinnere mich an einen Gottesdienst in meiner Jugend (das wird um 1954 gewesen sein), in dem ein plattdeutscher Pastor von eben jenseits der Grenze den Gottesdienst abhielt. Die Predigt hat, obwohl ich manche Wörter nicht verstanden hatte, auf mich, den zehnjährigen Jungen, einen großen Eindruck gemacht, weil die Botschaft viel direkter bei mir ankam als in der hochtrabenden Standardsprache der gewöhnlichen Pastoren.

Für den Gottesdienst sind auch Bibeltexte und Kirchenlieder auf Platt nötig, und überall sind Gruppen am Werk, um die Bibel oder Teile davon sowie Kirchenlieder in ihren eigenen Dialekt zu übersetzen. In Groningen ist das ganze Gesangbuch in der Regionalsprache erschienen, dazu große Teile der Bibel. In Twente und Achterhoek wird gleichfalls mit Begeisterung an der Bibelübersetzung gearbeitet, und in Deutschland gibt es ein Plattdeutsches Lektionar, eine Handreichung “Plattdüütsch in de Kark” und verschiedene Bibelübersetzungen, Aber soweit ich weiß, sind das meistens Leistungen Einzelner, während in den Niederlanden Gruppen gemeinsam am Werk sind.

Genauer betrachtet ist es vor allem in der reformierten Kirche eine merkwürdige Angelegenheit, dass der Dialekt benutzt wird im Gottesdienst. In dieser Kirche liegt das Augenmerk stark stark aufi der Verkündigung, und die Übersetzung der Schrift durch die Vorväter wird so sehr in Ehre gehalten, dass jede neue Bibelübersetzung schon im Vorfeld abgewiesen wird. In dieser Konfession ist der Sprachgebrauch sehr feierlich, und etwas, was der Dialekt sicherlich nicht ist, ist: feierlich. Einem der ersten Prediger, der den Gottesdienst auf Groningisch durchführte, wurde von den Kirchenältesten auf die Finger geklopft, weil er vermeintlich ein unziemliches Wort benutzte. Der von ihm verwandte Ausdruck war im Groningischen ein ganz normales Wort, aber das fast gleich klingende Wort im Niederländischen hatte eine unerwünschte Nebenbedeutung. Ich habe übrigens den Eindruck, dass auch heute noch viele Pastoren in ihrer Predigt den Dialekt an die Standardsprache anpassen.

Der Schwerpunkt im protestantischen Gottesdienst liegt in der Verkündigung des Wortes, und auch aus diesem Gesichtspunkt betrachtet ist die Verwendung der Mundart problematisch. Denn ein Dialekt gehört immer zu einem begrenzten geografischen Raum, sobald sich unter den Zuhörern jemand von außerhalb befindet, wird er das Gesagte nicht völlig verstehen. Es ist darum auch nicht in erster Linie die Verstehbarkeit, weshalb der Dialekt in der Kirche gebraucht wird, sondern eher die emotionale Seite der Sprache:
Der Dialekt ist die Sprache, in der der Mundartsprecher zuerst seine Gefühle äußern konnte, und dies auch mit religiösen Gefühlen zu können, ist eine neue und tiefe Erfahrung. Nicht jedem ist es gegeben, sich im Dialekt angemessen auszudrücken, aber selbst diejenigen, die die Regionalsprache von Haus aus nicht so gut kennen, können doch die emotionale Stimmung mitgenießen, die ein Gottesdienst auf Plattdeutsch vermittelt.

Noch mehr kann es befriedigen, die eigenen religiösen Gefühle in dichterischen Texten zu formulieren. Autoren, die ihren Glauben im Dialekt zu Papier bringen, gibt es nicht so sehr viele, aber doch genug. Eine davon ist Christina Sufka, die uns in ihrem Beitrag einen Eindruck vermitteln wird von ihren christlich geprägten Texten in ostfälischem Niederdeutsch.

Das Mystische in der Religion kann auch auf Plattdeutsch ausgedrückt werden. Der traditionelle Theaterabend findet dieses Jahr in der Dreikönigskirche von Bad Bevensen statt. Dort wird ein mittelalterliches Mysterienspiel in einer modernen plattdeutschen Übersetzung aufgeführt. Das Stück ist in gewisser Weise ein Vorläufer der Faust-Stoffes: Theophilus übergibt sich dem Teufel, wird aber durch die Jungfrau Maria doch noch gerettet.
Dass sich der “Faust” hervorragend eignet für eine Umsetzung ins Plattdeutsche, wussten wir schon durch die wunderschöne Faustübersetzung von Friedrich Hans Schaefer, der das Motto der diesjährigen Veranstaltung entlehnt ist.

Am Sonntagmorgen findet wie gewohnt der plattdeutsche Gottesdienst statt, in diesem Jahr predigt Dr. Heinrich Kröger aus Soltau. Neben diesen Programmpunkten, die direkt oder indirekt mit dem Thema der Versammlung zu tun haben, werden die regelmäßigen Angebote wiederum stattfinden, so die Einleitung vor der Konzertmuschel mit Texten und Musik, Lesungen, im Saal und im Park, Literaturkritik, die Jahreshauptversammlung und die Preisverleihung. Am Samstagabend tritt das Kabarett “Die Quesenköppe” auf.

Der Bevensenpreis für Musik, der alle vier Jahre vergeben wird, geht 2006 an Traute Römisch (Hameln) und Andy Mokrus (Hannover).

Wir hoffen auf eine anregende und unterhaltsame Veranstaltung, die hoffentlich nicht einen so dramatischen Verlauf nehmen wird wie die Geschehnisse, die folgten auf Gretchens Frage…

Dr. Fokko Veldman ist Literatur- und Sprachwissenschaftler, er gehörte viele Jahre zum Beirat und zum Vorstand der Bevensen-Tagung. Zum Abschied und in Anerkennung seiner Verdienste um die Tagung erhielt er den Bevensener Siebenstern.

Written on September 18th, 2006 , Bevensen Dagfahrt

Arbeitskreis Ostfriesischer Autorinnen & AutorenIn de neje DIESEL 57, de nu rutkomen is, gifft Ubbo Gerdes Bericht over de Warkkoppel. DE Kring hett siet Sömmer ‘n egen Websied, www.arbeitskreis-ostfriesischer-autoren.de — ‘n bietje spietelk: bit nu blot up düüts.
Ubbo maakt sien Bericht hier bi uns up Platt:

Ubbo Gerdes: Warkkoppel Oostfreeske Schrieverskes un Schrievers

Na uns Binnannerkomen an de 10. Juni in Moordörp, waar wi 29 Leden begröten kunnen, is al weer ‘n heel Bült lopen un passeert. Dat Europahuus hett hör fieftigjahrige Jubiläum fiert un van uns Klottje weren Friedrich Meyer, Annegret Neunaber un Anne Galle d’rbi. Se köönt uns bi de komende Warkeldag seker wat daarvan vertellen. In Moordörp kunnen wi uns Ehrenlidd Johannes Diekhoff ‘n Urkunn un ‘n Blömenstruuß övergeven. Uns tweede Ehrenlidd Joost Kirchhoff hebben Friedrich Meyer un Ubbo Gerdes in Pogum besöcht un hum de Urkunn un ‘n Rukelbusk överbrocht. Joost un sien Froo hebbt annerlesdens Diamanten Hochtied fiert. De Warkkoppel Oostfreeske Schrieverskes un Schrievers graleeren nochmaal van Harten. In Emden in dat Pelzerhuus is dat Book „Unner de Buukreem“ vörstellt worden. Ok enige Schrieverskes un Schrievers van uns Warkkoppel hebbt daar ‘n Bidrag to schreven. Weer ‘n heel pläserelke Avend. Lilo Heimann van de Fördergemeenskupp hett sük völ Meite geven un dat Book „Strandkorbgeschichten“ in de Welt laten. Moje Vertellsels up Hoog un Platt sünd in dat Book to finnen. Haast in all Kuntreien van Oostfreesland is dat Book vörstellt worden un enig Schrieverskes un Schrievers hebbt daarut wat vörleest. Man wi hebben ok wat Truuriges to vermellen. Uns Lidd Hinrich Kimme ut Nörden is overleden. He weer de Penningmester van uns Fördergemeenskupp un is 71 Jahr old worden. In Moordörp hett he uns noch mit sien Riemsels to ‘n Smüüstern brocht. Wi willen hum nich vergeten. Hermann Manot, Regine Kölpin un Christiane Franke hebbt sük vööl Meite geven un en „Autoren-Website“ in d‘ Internet brocht. Unner http//www.arbeitskreis-ostfriesischer-autoren.de. kann man vööl över uns Warkkoppel erfahren un ok lesen. Luurt driest maal rin. Bi uns komende Warkeldag willen de dree uns noch wat mehr daaröver vertellen. Leest un spöölt hebben an de 15. September bi „Hoch und Platt im Wallinghuus“ de Schölerinnen Anna-Lena Berends ut Akelsbarg un Imke Rosenboom ut Auerk-Oldendörp, un Manfred Schmidt ut Esens leesde hochdütske Vertellsels. An de 16. Oktober lesen un spölen um Klock acht Gitta un Udo Franken ut Victorbur bi „Hoch un Platt in d‘ lüttje School“ in Haag. Musikalisch mit d’rbi is ok Ute de Haan ut Auerk. In Greetsiel in de oll Backeree van Poppinga lesen an de 21.09.06 um Klock fief Lilo Heimann, Andreas Dellwig, Regine Kölpin un Manfred Schmidt ut dat Book „Strandkorbgeschichten“. An de 2. September weren wi in dat Europahuus in Auerk binanner. 28 Leden weren komen. Christiane Franke hett uns de Unnerscheed tüsken „Ermittlerkrimi“ un „Thriller“ verklaart un namiddags hebbt wi Texte beproot över dat Thema „Van d‘ Padd of / Auf Abwegen“. Besöök harren wi van de Autorin Heidelinde Wulff ut Rostock. Se hett uns wat van de Arbeid in Mecklenbörg vertellt. An de 04. November drapen wi uns weer um Klock negen in dat Europahuus in Auerk. Denn word de Vörstand neei wählt un namiddags word de Jahrespries vergeven.

Written on September 18th, 2006 , Ostfriesische Autoren

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